Hermann Lanfer im Porträt 02/10/20

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Hermann Lanfer im Porträt

Seine Mission: die Schiene stärken

Foto: Matthias Rathmann

Hermann Lanfer ist der neue Vorsitzende des Kombiverkehr-Verwaltungsrats – was den Unternehmer antreibt und wo er Akzente setzt.

02.10.2020 Matthias Rathmann

Ihn muss man nicht erst überzeugen, Erfahrungen auf der Schiene zu sammeln: Hermann Lanfer ist aus Umwelt- und Klimagründen ein Verfechter des Kombinierten Verkehrs (KV). Jeder Verkehrsträger habe seine Stärken. Eine intelligente Verknüpfung ist für ihn daher das Gebot der Stunde. Es dürfe kein Gegeneinander von Straße und Schiene geben, warnt der geschäftsführende Gesellschafter von Lanfer Logistik, dessen Firmengruppe mehr als 600 eigene Zugmaschinen und mehr als 5.000 Tankcontainer im Einsatz hat. Angesichts des erwarteten Mengenwachstums sei genug für alle da, betont er. Dass aktuell etwas weniger zu befördern ist, hält Lanfer für ein vorübergehendes Phänomen. „Auch die Abwanderung auf die Straße aufgrund des Preisdrucks ist temporär“, sagt er.

Lanfer Logistik seit 15 Jahren auch auf der Schiene

Seit anderthalb Jahrzehnten bewegt sich sein Unternehmen im Intermodalverkehr. Dabei verbindet es die wichtigen Chemiestandorte Europas. Aber auch innerdeutsch nutzt der Chemielogistiker intensiv die Schiene – unter anderem durch eigene Company-Trains.Für einen Intermodalpartner setzt sich Lanfer besonders ein: für den Operateur Kombiverkehr aus Frankfurt. Seit mehr als zehn Jahren gehört er dem Kreis der Kommanditisten und seit sechs Jahren dem Verwaltungsrat an. Ende Juli nun wählte ihn das Gremium zum Vorsitzenden und zum Nachfolger von Gudrun Winner-Athens, die das Gremium seit 2002 geführt hatte.

„Kombiverkehr ist eine über 50-jährige Erfolgsgeschichte, und meine Vorgänger haben eine tolle Arbeit geleistet“, lobt Hermann Lanfer. Der 55-Jährige, der den Chemielogistiker aus Meppen in dritter Generation leitet, ist überzeugt, dass die Voraussetzungen nie besser waren, um Güter auf die Schiene zu bringen. Wie bei Kombiverkehr – dem größten Einzelkunden der Deutschen Bahn – gibt es auch beim Kombiverkehr-Komplementär DB Cargo neue Köpfe an der Spitze. „Wir erleben die Bahn im Aufbruch“, sagt ­Lanfer und fühlt sich durch Gespräche mit DB-Cargo-Chefin Dr. Sigrid Nikutta und DB-Cargo-Vertriebsvorstand Pierre Timmermans in seiner Einschätzung bestätigt.

Lanfer: Dem Kombinierten Verkehr neue Impulse geben

„Wir sehen die große Chance, gemeinsam mit dem neuen Management der Bahn dem Kombinierten Verkehr neue Impulse zu geben“, sagt er. Die von Nikutta vorgestellte neue Strategie, die auf Logistikketten und Digitalisierung setzt, hält Lanfer für richtig. „Übernimmt die Bahn die Langstrecke, ist das eine sinnvolle Arbeitsteilung mit uns überwiegend mittelständischen Spediteuren.“

Was der neue Chef des Kombi­verkehr-Verwaltungsrats aber dringend anmahnt, sind politische Weichenstellungen: ein klares Bekenntnis zur Schiene und entsprechende Fördermittel. Lanfer denkt an eine Anschubfinanzierung für Firmen, die sich erstmals mit dem KV auseinandersetzen. „Man muss den Unternehmern, die das System nicht kennen, die Ängste vor Risiken nehmen“, erklärt er. Für kontraproduktiv hält Lanfer die bis 2023 gewährte Mautbefreiung von Gas-Lkw in Deutschland. Im Gegenzug fordert er eine Mautbefreiung auf den Vor- und Nachläufen im KV.Respekt vor der neuen Aufgabe habe er schon, räumt Lanfer ein. „Das macht man nicht so einfach im Nebenjob.“ Möglich sei dies nur, weil sich mit Tobias Ewers, ­Michael Kirschner und Dennis Egbers in seinem Unternehmen Geschäftsführer um die relevanten Sparten Straße, Intermodal und Mehrwertdienste kümmern – auch wenn der Chef nicht zur Stelle, sondern bei Sitzungen oder Gesprächen mit Vertretern der Bahnanbieter ist.

Zur Person

  • Er selbst verkörpert die dritte Generation des Familien­unternehmens. Doch auch die vierte Generation ist bei Lanfer Logistik schon am Start. Firmenchef Hermann ­Lanfer (55) hat sechs Kinder, wovon drei bereits in der Ausbildung im Unternehmen sind.
  • Zum Standort Hamm hat Hermann Lanfer eine besondere Verbindung: Dort machte er sich selbstständig, als er einen Betrieb mit neun Lkw erwarb. Nach und nach übernahm er von seinem Vater die Geschäfte bei Lanfer.
  • Hermann Lanfer absolvierte Ausbildungen zum Kfz-Mechaniker und zum Speditionskaufmann, studierte BWL an der DAV in Bremen und war unter anderem bei Kühne + Nagel in Vancouver tätig, ehe er in das Familienunternehmen zurückkehrte.
Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Matthias Rathmann Chefredakteur trans aktuell und eurotransport.de

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