Kombiverkehr holt Corona-Verluste wieder herein 10/08/21

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Source: DVZ

 

Im ersten Halbjahr gelingt dem Operateur die Wende: Das Aufkommen aus dem Vor-Covid-Jahr 2019 wurde bereits übertroffen. (Foto: DB AG)

 

10. August 2021

Kombiverkehr hat im ersten Halbjahr die Transportzahlen des Vor-Corona-Jahres 2019 um fast 3 Prozent übertroffen. Rund 470.000 Ladeeinheiten bedeuteten gleichzeitig ein Plus von 11,5 Prozent gegenüber den ersten sechs Monaten 2020. Darüber informierte der Operateur seine Kommanditisten jetzt im Rahmen einer präsenzlosen Gesellschafterversammlung.

Im vergangenen Geschäftsjahr beförderte Kombiverkehr rund 860.000 Lkw-Sendungen. 114 Vollzeitkräfte erwirtschafteten einen Umsatz von rund 400 Millionen Euro. Das Jahr war von Corona geprägt. Entsprechend lag der Fokus zunächst darauf, das Netz mit 170 Direktzügen pro Woche im innerdeutschen Verkehr sowie über 480 Zügen im internationalen Verkehr auch während der Pandemiemonate aufrecht zu halten. Das gelang ziemlich gut: Trotz der rückläufigen Wirtschaftsentwicklung, einer zweiwöchigen witterungsbedingten Sperrung der Brenner-Strecke zum Jahresende und Streiks bei der französischen Staatsbahn SNCF ging das Sendungsaufkommen nur moderat um rund 3 Prozent zurück. Die mittlere Transportentfernung lag unverändert bei 825 Kilometern, die Transportleistung bei 16,75 Milliarden Tonnenkilometern.

Nationaler Verkehr besonders stark getroffen

Von den Folgen der Pandemie waren die Marktsegmente unterschiedlich betroffen. Mit einem leichten Minus von 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr schnitt das internationale Netzwerk eu.NETdirekt+ im Geschäftsjahr 2020 ab. Auf allen grenzüberschreitenden Relationen inklusive des Verkehrs mit den deutschen Ostseehäfen beförderte Kombiverkehr fast 700.000 Lkw-Sendungen. Das Transportaufkommen im nationalen Verkehr ging mit 8,5 Prozent hingegen überproportional auf rund 165.000 Lkw-Sendungen zurück.

 

Die Entwicklung im nationalen wie auch im internationalen Verkehr sei im Jahresverlauf der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung gefolgt, kommentiert Geschäftsführer Robert Breuhahn: „Nach einem schwachen ersten Halbjahr ist es uns gelungen, die Sendungsverluste aus den Vormonaten durch Zuwachsraten im hohen zweistelligen Bereich im letzten Quartal fast auszugleichen.“ Dazu habe neben der konjunkturellen Erholung auch eine „erfreulich hohe Pünktlichkeit der Züge“ beigetragen. Allerdings habe sich das mit wieder anziehender wirtschaftlicher Entwicklung und steigenden Sendungsmengen auf einigen Relationen wieder „auf einem Niveau eingefunden, das aus unserer Sicht und aus Sicht insbesondere unserer Speditionskunden nicht den logistischen Anforderungen entspricht“.

Durch die Zunahme der Verkehre auf der Schiene werden die knappen Kapazitäten bei Lokführern, rollendem Material und Terminals wieder zu wesentlichen Einflussfaktoren werden. Umso wichtiger sei ein „harmonisiertes Baustellenmanagement auf nationaler und internationaler Ebene verbunden mit vorauseilenden Informationen“, mahnt Geschäftsführer Armin Riedl. Außerdem müsse die Eisenbahninfrastruktur durch mehr Präventionsmaßnahmen wetterfester gemacht werden.

Weichenstellungen pro Schiene nach der Bundestagswahl

Riedl erwartet zudem nach der Bundestagswahl wichtige Entscheidungen pro Schiene. Schließlich hätten der Schienengüterverkehr und die Verlagerung von mehr Gütern auf die Schiene großes Potenzial, die CO2-Emissionen nachhaltig und kostengünstig zu senken. Riedl: „Dazu braucht es verlässliche Mittelaufstockungen für die Infrastruktur, vor allem aber das klare Bekenntnis der Politik, endlich eine Veränderung des Modal Splits anzugehen und ein ‚level playing field‘ für alle Verkehrsträger zu schaffen, insbesondere bei steuerlichen Förderungen.“ Kombiverkehr wolle nicht besser behandelt werden als der Straßenverkehr, „aber eben auch nicht schlechter“.

 

Neues Verkehrskonzept und neuer Leitungsweg via Schweiz

Mit der Realisierung und Inbetriebnahme des Verkehrskonzepts Megahub Lehrte und mit der Integration neuer Verkehre nach Italien im Transit via Schweiz zu Beginn dieses Jahres habe Kombiverkehr den Grundstein für einen Ausbau des Netzes und für ein Mengenwachstum gelegt, betont Geschäftsführer Alexander Ochs. Gleich mehrere nationale Terminals wurden im April an die neue Schnellumschlaganlage in Hannover Lehrte angeschlossen. Die zweite Ausbaustufe mit Frequenzerhöhungen und auch Direktverbindungen ins benachbarte Ausland sollen das Angebot für Spediteure ab September noch attraktiver machen.

Weitere Volumina sollen auf dem Italien-Korridor mit Benelux und Deutschland erzielt werden. Ochs: „Mit Mortara wurde ein für Kombiverkehr neues Terminal in der Nähe zur Wirtschaftsmetropole Mailand in das Netzwerk aufgenommen, das die heutigen Verkehre und Leitungswege nach Norditalien geradezu ideal ergänzt. In diesen Verkehren sehen wir großes Potenzial.“ Und Kombiverkehr setzt Ochs zufolge auch darauf, den Einstieg in den Intermodalen Verkehr zu vereinfachen. Dazu gebe es aktuell ein Aktionsangebot für Neukunden. (kl)

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