25. Mai 2026 | von Michael Cordes
In die „Höhle des Löwen“ wagte sich DB-InfraGo-Chef Philipp Nagl. Auf der Tagung des schweizerischen Operateurs äußerten Spediteure und Vertreter der Güterbahnen Kritik an dem Baustellenmanagement. Nagl lieferte Antworten, die Hoffnung machten. Doch eine gewisse Skepsis bleibt.
Licht gab es bei strahlendem Sonnenschein im verglasten Veranstaltungssaal des Intermodalforums der Hupac in Lugano am vergangenen Freitag mehr als genug. Ein wenig von diesem Licht hätten gerne die Akteure, die bei dem Forum über die Bedingungen im Kombinierten Verkehr diskutierten. Oft wurde die Frage gestellt, wann denn endlich das Licht am Ende des Tunnels (und damit das Ende der Krise) zu sehen ist. Zumindest die kurzfristigen Aussichten wurden von den Akteuren auf der Hupac-Veranstaltung eher trübe eingeschätzt – was so gar nicht zu dem Sitzungsraum mit dem herrlichen Blick auf den Luganer See passte.
Hupac 2025 mit deutlich reduziertem Gewinn
Die Hupac hatte zu ihrer Generalversammlung und einem anschließenden Diskussionsforum mit prominenter Besetzung eingeladen. Die Bilanz, die die Führungscrew um den Präsidenten des Verwaltungsrates Hans-Jörg Bertschi ihren Gesellschaftern vorlegte, liest sich angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen (viele Baustellen, schwächelnde Konjunktur) positiv: Das Verkehrsvolumen ist 2025 um 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen und hat sich damit deutlich besser entwickelt als der Markt. Das Jahresergebnis ist zwar um 62,4 Prozent gesunken, aber mit 3,5 Millionen Schweizer Franken wird immer noch ein Gewinn erzielt.
Ob dies 2026 verhindert werden kann, bleibt abzuwarten. Denn bis einschließlich April dieses Jahres hat Hupac 4,7 Prozent weniger Volumen befördert im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Als Grund gab Bernhard Kunz, Mitglied im Verwaltungsrat der Hupac, einen starken Rückgang der maritimen Verkehre aufgrund des harten und langen Winters in Norddeutschland an. Doch sorgen die zwei Korridorsanierungen im Norden in Verbindung mit Stellwerksausfällen, IT-Problemen und zahlreichen anderen Störungen für weiterhin chaotische Verhältnisse rund um die Nordseehäfen.
Zuwachs im transalpinen Verkehr
Zugleich zeigt sich Kunz erstaunt darüber, „wie stabil die Entwicklung im transalpinen Geschäft die ersten Monate verläuft, trotz all der negativen Einwirkungen, die wir sehen auf der weltweiten Bühne“. Auf diesem Korridor verzeichnet Hupac ein Plus von 1,3 Prozent in den ersten vier Monaten dieses Jahres.
Da scheint Hupac aber die Ausnahme zu sein. Denn: „Seit vier Jahren beobachten wir einen Rückgang des Marktanteils des Schienengüterverkehrs im Alpentransit durch die Schweiz“, sagte Christa Hostettler, Direktorin des Bundesamtes für Verkehr (BAV) in der Schweiz, auf dem Forum. Ursache ist jedoch nicht etwa ein Rückgang der Nachfrage, so ihre Einschätzung. „Die Qualität und die Zuverlässigkeit entlang des wichtigen Nord-Süd-Korridors in Europa haben sich massiv verschlechtert“, sagte sie und macht dafür die vermehrten Bauarbeiten vor allem in Deutschland verantwortlich. Gleichzeitig stünden dort nicht ausreichend Kapazitäten auf den Ausweichstrecken zur Verfügung und verlängerten sich die Bauarbeiten immer häufiger. „Die Folgen sind ernst: Jede große Bauphase kostet dem Schienengüterverkehr ungefähr einen Prozentpunkt Marktanteil pro Jahr“, so die BAV-Chefin. 2022 hatte die Schiene noch einen Anteil von 74 Prozent. Der ist mittlerweile auf 69 Prozent geschrumpft.
Die Antwort von DB-InfraGo-CEO Philipp Nagl
Was sagt dann derjenige dazu, der für die Schieneninfrastruktur und für die Bauarbeiten in Deutschland verantwortlich ist und die damit verbundenen Verspätungen? „Ich kann heute die Tunnellichter nicht in wenigen Sekunden anknipsen. Aber ich kann vielleicht das Licht am Ende des Tunnels etwas aufhellen“, so der CEO von DB InfraGo, Philipp Nagl, in Lugano. Er erinnerte daran, dass sein Unternehmen die jährlichen Investitionen in das Schienennetz seit 2022 nahezu verdoppelt habe. Und er machte insofern Hoffnung, dass das jetzt erreichte Bauvolumen nicht weiter gesteigert werden soll. Zugleich habe DB InfraGo aus den negativen Effekten gelernt und versuche, diese zusammen mit den Beteiligten zu beseitigen oder zumindest abzufedern. Erste Sanierungen seien bereits abgeschlossen, wie die zwischen Emmerich und Oberhausen. Und auch der Personalmangel auf den Stellwerken konnte beseitigt oder deutlich eingedämmt werden.
Dirk Stahl, CEO von BLS Cargo, äußerte den Wunsch, dass nicht jede Sanierung und jedes Bauvorhaben gleich zu einer Vollsperrung führe, sondern auch ein eingleisiger Betrieb in Erwägung gezogen werde. Außerdem plädierte er dafür, dass sich die europäischen Infrastrukturbetreiber besser untereinander absprechen und sich mit den Nutzern bei den Baustellen abstimmen. So forderte er, Bauarbeiten gerade auf den wichtigen Güterverkehrskorridoren stärker in die verkehrsärmeren Zeiten wie den August zu legen.
Bauarbeiten mit Vollsperrungen zwischen Basel und Karlsruhe ab Sommer 2026
Nagl kündigte an, dass es mit dem Jahr 2028 für drei Jahre im Sommer vierwöchige Bauphasen auf der Trasse Basel–Karlsruhe geben werde. „Wir werden die Sperrung nach Rücksprache mit den Nutzern aber vom Juli in den August legen und versuchen, die Tage mit Vollsperrung möglichst gering zu halten“, sagte der DB-InfraGo-Chef. Zudem soll die Gäubahn als wichtige Ausweichroute für den Transport von 4 Meter hohen Trailern und Containern ertüchtigt werden, so dass mehr Kapazität auf einer wichtigen Umleiterstrecke zur Verfügung steht.
„Ab 2029 und insbesondere von 2030 an werden wir uns auf einem komplett anderen Niveau befinden“, bat Nagl die KV-Akteure noch um etwas Geduld bis zum Ende des Tunnels. „Dann spielen wir vielleicht noch nicht in der Champions League. Aber ich hoffe, dass wir dann eine Liga besser sind und Sie dann fühlen und sehen, dass eine Verbesserung stattgefunden hat“, lautete Nagls Botschaft an die Spediteure und Bahnvertreter.
Bertschi optimistisch
Hans-Jörg Bertschi blickte optimistisch nach vorne: „Wir müssen systematisch mit den Infrastrukturbetreibern die Baustellen besprechen. Die Sperren an Ostern haben gezeigt, dass wir Fortschritte machen“, sagte der Präsident des Verwaltungsrates von Hupac.